Ich wusste nicht, ob ich gerade wütend oder einfach nur fassungslos bin.

Nach einem Umgangswochenende kam meine Tochter nach Hause.

Damals war sie zwölf.

Sie war still.

Dann platzte es aus ihr heraus.

Sie erzählte, dass sie mit ihrem Vater, seiner Freundin und einer Freundin von ihr ins Schwimmbad fahren wollten.

Ein ganz normaler Ausflug.

Auf dem Weg dorthin setzte er plötzlich den Blinker.

Fuhr auf einen Parkplatz.

Vor ein Impfzelt.

Sie fragte:

„Ähm… was machen wir jetzt hier?“

Er sagte:

„Ich dachte, wir könnten doch mal eben kurz da rein gehen.“

Sie:

„Was ist das?“

Er:

„Na wenn wir schon mal hier sind, dann können wir uns doch eben impfen lassen.“

Sie sagte ganz klar:

„Nein. Ich gehe da nicht rein. Und ich steige hier auch ganz bestimmt nicht aus.“

Dann war es still.

Wie sie es mir erzählte:

Betroffenes Schweigen.

Er versuchte zu argumentieren.

Sie drehte sich weg.

Irgendwann wurde die Situation von den anderen mit Humor aufgefangen.

Aber dieser Moment blieb.

Dieser Schock,

als 12-Jährige plötzlich vor etwas zu stehen,

das sich nicht richtig anfühlt.

Ohne vorbereitet zu sein.

Ohne gefragt worden zu sein.

Und das war kein Einzelfall.

Es gab viele solcher Situationen.

Viele Momente, in denen über sie hinweg entschieden wurde.

Und bis heute fragt er sich,

warum sie so ungern zu ihm geht.

 

 

 

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